Geschichte

Machen Sie mit uns eine Reise durch mehr als 140 Jahre bewegte Genossenschaftsgeschichte.

1875

Gründung gegen die Not

Das heranziehende Industriezeitalter stand vor der Tür. Es brachte drastische Veränderungen für den Schiffbau und damit für die Existenz unserer Gründer mit sich. Um sich gemeinsam gegen wirtschaftliche und soziale Benachteiligungen zu wehren, taten sich Menschen mit der Idee zur Selbsthilfe zu Genossenschaften in den verschiedensten Bereichen zusammen. Gemeinsam wollte und konnte man stark sein. So auch am 18. November 1875 die Schiffszimmerer: „Die Gründung dieser Genossenschaft ist [...] aus Begeisterung erfolgt, um den Schiffszimmererleuten in Deutschland in dem ihnen aufgedrungenen wirtschaftlichen Kampfe in der Not mit außerordentlichen Mitteln zu Hilfe zu eilen.“

1875 – 1889

Aufbau in Solidarität

Der Unternehmenszweck war zu Beginn auf den Ankauf und Betrieb von Schiffswerften beschränkt. Man wollte sich so der herrschenden Lohndiktatur entziehen. Die Schiffszimmerer-Genossenschaft erwarb zuerst eine Werft in Memel und vermietete sie. Bereits damals musste man sich Gedanken über das notwendige Kapital machen. Dieses wurde teilweise durch die Solidarität der Mitglieder als auch durch die Einführung der sogenannten Zehn-Pfennig-Steuer aufgebracht. Diese Steuer verlangte eine Einzahlung von zehn Pfennig von jedem, der die ganze Woche in Arbeit stand. 

1889 – 1900

Von Werften zu Wohnungen

In diesen Zeiten veränderte sich Hamburg auch als Stadt. Vor allem in den hafennahen Gängevierteln hausten die Menschen beengt, ohne Hygieneeinrichtungen und abhängig von den Launen des Eigentümers. Der Vorstandsvorsitzer der Schiffszimmerer erkannte eine neue Aufgabe für die Genossenschaft: Den Erwerb von Wohnungen für die Mitglieder. So wurde die Satzung geändert und lautete nunmehr: „Ankauf und Betrieb oder Vermietung von Schiffswerften und anderen Grundstücken für gemeinschaftliche Rechnung“. Erste Grundstücke mit Mehrfamilienhäusern in schlechtem baulichen Zustand wurden – für einen kurzen Arbeitsweg – in Hafennähe gekauft. Natürlich erfolgte die Sanierung in Selbsthilfe.

1900 – 1914

Ein Schloss für die Arbeiter

Der erste eigene Bau von Wohnungen war für die Schiffszimmerer eine große Herausforderung. Denn Häuserbau aus Stein geht doch anders als Schiffbau aus Holz. Vom Bau- und Sparverein zu Hamburg eGmbH (heute TAG Immobilien AG) bekam man tatkräftige Unterstützung. Dadurch gelang es, in der Neustadt ein bezahlbares, mit Balkonen und Bädern sehr gut ausgestattetes Mehrfamilienhaus für Arbeiter zu errichten – offiziell Gebhardhof getauft, aber als „Arbeiterschloss“ bekannt. Ein Meilenstein in unserer Geschichte. 1943 wurde das Gebäude zerstört. Heute steht dort bzw. rund 20 Meter östlich neben seinen Ruinen das hohe Haus Venusberg Nr. 36 unserer Wohnanlage „Venusberg“. Die Satzung wurde nun vollständig auf den Erwerb und die Vermietung von Wohnimmobilien geändert. Weitere Wohnungen wurden in der Dehnhaide und in Wilhelmsburg gebaut. 

1914 – 1933

1. Weltkrieg und Wirtschaftskrise

Durch eine hohe Arbeitslosigkeit und die herrschende Inflation gerieten immer mehr Wohnungsnutzer in Zahlungsnot. Die Genossenschaft hatte auch hierfür eine Lösung der Selbsthilfe: Sie bot Arbeit im hauseigenen Reparaturbetrieb zum Ausgleich der Schulden. Durch die steigende Anzahl der Mitglieder wurde das Kapital gestärkt. Nach Kriegsende konnte das Hauptaugenmerk damit auf die Beschaffung weiterer Grundstücke gelegt werden. 1922 wurde die Genossenschaft in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht umgewandelt. Das gewohnte Familienleben änderte sich aufgrund der städtebaulichen Entwicklung: Man verbrachte jetzt nicht mehr die gemeinsame Zeit in der Wohnküche, sondern im Wohnzimmer. Diese Neuerung trugen die berühmten Bauten von Fritz Schumacher Rechnung, welche beispielsweise in der Jarrestadt errichtet wurden und erstmals mit Zentralheizung und Warmwasserversorgung ausgestattet waren. Auch die Weltwirtschaftskrise hinterließ ihre Spuren, z. B. mussten die Schiffszimmerer ihre Bautätigkeiten nach Fertigstellen des Kranzhauses für eine gewisse Zeit einstellen.

1929 – 1933

"Skandal" und die Weltwirtschaftskrise

Zwei Vorstandsmitglieder wurden der Korruption beschuldigt und daraufhin ihres Amtes enthoben. Auf den ersten Blick scheint es nach einem großen Skandal mit Finanzmanipulation und Schmiergeldannahme, aber alles stellte sich letztlich als ein Irrtum heraus. Die Entlassung erfolgte aufgrund der Vernachlässigung ihrer Kontrollpflicht. Auch die Weltwirtschaftskrise hinterließ ihre Spuren bei der Schiffszimmerer-Genossenschaft. Die Bautätigkeiten mussten nach dem Fertigstellen des Kranzhauses eingestellt werden.

1933 – 1945

Das dritte Reich

Im dritten Reich kurbelte die staatliche Arbeitsbeschaffung den Wohnungsbau an. Erstmalig wurde eine Siedlung mit Einzel- und Doppelhäusern in Poppenbüttel gebaut. Ein generelles Neubauverbot trat in Kraft, da alle Ressourcen für die Kriegsproduktion benötigt wurden. Kurz zuvor hatte man erst mit dem Bau der Hans-Schwenkel-Wohnanlage in Langenhorn begonnen. Die Fertigstellung gelang erst unmittelbar vor Ende des Krieges. Die Operation „Gomorrha“ zerstörte nicht nur 50 Prozent des Wohnungsbestandes der Genossenschaft, sondern vernichtete auch die Geschäftsstelle und sämtliche Unterlagen. Die Anlagen in Langenhorn und Poppenbüttel blieben vollkommen verschont.

1945 – 1967

Wiederaufbau

Auch diese Phase unserer Historie stand besonders im Zeichen der Selbsthilfe: Nur so konnte die Genossenschaft innerhalb von 12 Jahren ihren Wohnungsbestand von 900 auf knapp 5.500 Wohnungen erhöhen. Jeder, der beim Bau mitanpackte, erhielt die Zusage vom Wohnungsamt, eine der entstehenden Wohnungen beziehen zu dürfen. Erneut konnten weitere Grundstücke erworben werden, wie z. B. in Lohbrügge, Stellingen, Dulsberg und Lokstedt. Alle Objekte wurden bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich öffentlich gefördert.

1967 – 1989

Veränderung der Aufgaben

Größere Bauprojekte wurden in gemeinschaftlicher Arbeit mit anderen Genossenschaften und Wohnungsbauunternehmen in Steilshoop, Norderstedt und Schwarzenbek umgesetzt. Die erste Wärmedämmmaßnahme von „Altbauten“ wurde in Ohlsdorf durchgeführt. Ebenfalls wurden einige leerstehende Gewerbeobjekte zu behindertengerechten Wohnungen umgebaut. Federführend war die Genossenschaft an „SIKS – Stadterneuerung in kleinen Schritten“ beteiligt, die einzelne Stadtgebiete sanierte. 1977 wurde dieses Projekt u. a. mit dem Senator-Neumann-Preis für besondere soziale Leistungen im Wohnungswesen geehrt. Als eine Reaktion auf die Ölkrise stellt die Genossenschaft das Heizsystem fast aller Wohnanlagen auf Fernwärme- oder Erdgasversorgung um. Die immensen Kosten wurden zu einem großen Teil durch Kapital abgedeckt, das von den Mitgliedern zusätzlich unterstützend dafür aufgebracht wurde.

1989 – 1995

Wiedervereinigung

Mit dem Mauerfall entstand mit einer Wohnungsbaugenossenschaft in Greifswald eine enge Partnerschaft, die bis heute gepflegt wird. Seit der Wiedervereinigung wuchs Hamburg spürbar in seiner Einwohnerzahl. Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum stieg und stieg. Dies führte auch bei uns dazu, dass unsere Mitglieder kaum noch versorgt werden konnten. Also entschied man sich für einen Aufnahmestopp neuer Mitglieder.

seit 1995

Wohnen nach Wert

Die sich bis heute bewährte Wohnwertmiete wurde 1995 eingeführt, um ein nach dem Wohnwert orientiertes System der genossenschaftlicher Nutzungsgebühren zu schaffen.

seit 2001

Neubau und Modernisierung

Großes Augenmerk lag auf dem Abriss und Bau neuer Mehrfamilienhäuser, wie z. B. die Wohnanlage in Alsterdorf. Diese wurde in drei Bauabschnitten von Grund auf neu errichtet. Seit 2006 geschieht dies in ähnlicher Weise mit einer großen Wohnanlage in Ohlsdorf. Immer mehr Wert wird auf die Niedrigenergiebauweise gelegt, die zur nachhaltigen Schonung der Umwelt beiträgt. Ebenfalls erhielten und erhalten nach wie vor viele Wohnanlagen eine energetische Modernisierung.