Unsere Quartiere im Wandel

Der Gewerbehof St. Georg

Gewerbe und Wohnen in der Innenstadt

Gewerbe und Wohnen in St. Georg

Zwei unserer sieben Wohnanlagen in dem facettenreichen, zwischen Alster und Hauptbahnhof gelegenen Stadtteil St. Georg haben wir bereits vorgestellt. Heute gehen wir der Frage nach, was den "Gewerbehof" mit der Hamburger Stadterneuerung der 1980er Jahre verbindet.

Vom Vorort zum Hamburger Szeneviertel

Unsere Wohnanlage Gewerbehof liegt in den parallel verlaufenden Straßen Koppel und Lange Reihe. Aufgrund der Straßennamen können wir uns gut vorstellen, wie es einmal in St. Georg ausgesehen hat: Die Lange Reihe zog sich als gerader Straßenzug ohne Kurven vom Stadtrand durch die damalige Vorstadt Hamburgs. Ebenso wie die daran anschließende Koppel. Auf deren Weidefläche standen und grasten Tiere. St. Georg gehört erst seit seiner Eingemeindung im Jahr 1868 zu Hamburg. Bereits 1860 wurde die Torsperre aufgehoben. Dies erleichterte es den Bewohnerinnen und Bewohnern des ehemaligen Vororts in der Hansestadt zu arbeiten. Mittlerweile ist vor allem die Lange Reihe bekannt für ihre Bars, Restaurants und kleinen Geschäfte. Die Weideflächen sind längst verschwunden.

Blick auf die Entstehungsgeschichte

Stadtentwicklung als zusätzlicher Aufgabenbereich

Bereits in unseren frühen Jahren hatte unsere Genossenschaft eine enge Verbindung mit dem Stadtteil. Denn bereits Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich unsere erste Geschäftsstelle in der Brennerstraße 10. Dennoch erstanden wir die hier gelegenen Grundstücke und Wohnhäuser erst im Rahmen von Stadterneuerungsmaßnahmen seit den 1970er Jahren. 

Als Genossenschaft engagierten wir uns seit dieser Zeit vermehrt im Bereich des Städtebaus, so auch in St. Georg. Seit 1976 waren wir Teil einer Arbeitsgemeinschaft, der neben fünf weiteren Wohnungsbaugenossenschaften auch städtische Wohnungsunternehmen angehörten. Gemeinsam planten und bauten wir Wohnungen, Läden und Tiefgaragen. Die Verschiebung unseres Tätigkeitsbereichs vom Wohnungsbau hin zum Städtebau war auf den wirtschaftlich bedingten Bevölkerungsrückgang Hamburgs in diesen Jahren zurückzuführen. Die Nachfrage nach neuen Wohnungen sank und es kam zu einer Sättigung auf dem Wohnungsmarkt. Statt dem Wohnungsneubau rückten auch bei uns Wohnraummodernisierungen und eben auch Stadterneuerungsmaßnahmen in den Fokus. Unterstützend dabei agierten die schon 1971 vom Bund geschaffenen Städtebauförderungs- und Gemeindeentwicklungsgesetze, die rechtliche Voraussetzungen für Sanierungsmaßnahmen schufen. In Hamburg wurde zudem ein Förderprogramm unter dem Motto „Erhalten, Bewahren und Entwickeln“ ins Leben gerufen, in dem Bund und Stadt die Revitalisierung älterer Quartiere mit hohem Altbaubestand forcierten. Hier sollte die Bausubstanz erhalten bleiben sowie die dortige Wohn- und Lebensqualität gesteigert werden. Schwerpunkte dieser Stadtentwicklungspläne waren neben der Neustadt oder St. Pauli, wo wir bereits seit vielen Jahren Wohnanlagen unterhielten, auch St. Georg.

Der Gewerbehof

Doch welche Geschichte erzählt der Name „Gewerbehof St. Georg“? Unser Gewerbehof war der vierte seiner Art, den die Stadt im Rahmen der Hamburger Stadterneuerung und Förderungen kleiner und mittlerer Betriebe unterstützte. In einer Informationsschrift der Hamburgischen Gesellschaft für Gewerbebauförderung aus dem Jahr 1985 heißt es: „Mit dem Bau von subventionierten Gewerbehöfen in Sanierungsgebieten räumt der Senat dem Erhalt und der Förderung von standortgebundenen, kleinen und mittleren Betrieben hohe Priorität ein. Bisher wurden auf dieser Grundlage bereits drei Gewerbehöfe in Hamburg gebaut“. Diese befanden sich in den Stadtteilen Altona, St. Pauli und Ottensen. Der Gewerbehof in St. Georg sollte Betrieben bereitgestellt werden, „die für die Versorgung des innerstädtischen Standortes von Bedeutung [waren] und den Bezug zu City, Hauptbahnhof und Alsterlage mit einem vielfältigen Angebot von Dienstleistungen, Gaststätten und Beherbergungsbetrieben als Nachfragebranchen und Stammkundschaft“ brauchten. Den Auftrag zum Bau dieses Gewerbehofes auf dem Grundstück Lange Reihe 41 und Koppel 34 erhielten wir.

Konkret entstanden Flächen für sieben Werkstätten sowie zwei Wohnhäuser am Blockrand. Diese dienten als Ersatz für zuvor abgebrochene Wohnungen. Als Vorbereitung für den Bau konnten wir am 30. August 1984 mit den Ausschachtungsarbeiten beginnen. Ein Teil der Werkstätten erhielt dabei direkte Verbindung zu den Läden in den Vorderhäusern in den Straßen Lange Reihe, Koppel und Gurlittstraße. Die Werkstätten waren über die Koppel erreichbar. Für familienfreundliches Wohnen in unmittelbarer Innenstadtlage entstand als Besonderheit auf Höhe des ersten Obergeschosses eine Gartenfläche mit Kleinkinderspielplatz. Im Geschäftsjahr 1987 stellten wir die Wohnanlage fertig.

Auch heute noch verfügt unser „Gewerbehof St. Georg“ nicht nur über 24 Wohnungen – je 12 pro Wohnhaus in der Koppel und Lange Reihe, sondern auch über sieben Gewerbeeinheiten. 73 Tiefgaragenstellplätze tragen zum Komfort des innerstädtischen Wohnens bei. In der Koppel 34 befindet sich außerdem ein Hausverwalterbüro unserer Genossenschaft, sodass sich unsere Mitglieder mit Fragen und Sorgen direkt an einen Mitarbeiter vor Ort wenden können.