Unsere Quartiere im Wandel
Buten Barmbek: Bummeln und wohnen an der Fuhle
Die Fuhlsbüttler Straße, von vielen Hamburgerinnen und Hamburgern liebevoll „Fuhle“ genannt, ist weit mehr als eine bloße Verkehrsader. Sie erstreckt sich über mehr als fünf Kilometer und führt durch die Stadtteile Barmbek-Süd und Barmbek-Nord über Ohlsdorf bis nach Fuhlsbüttel. Entlang der Straße reihen sich Wohnhäuser, Cafés und internationale Gastronomie an alteingesessene Familienbetriebe und Filialen moderner Einzelhandelsketten. Trotz ihrer Größe und Vielfalt vermittelt die „Fuhle“ bis heute ein Gefühl von Nachbarschaft. Auch wir waren lange Zeit eng mit dieser Straße verbunden, denn mehr als 60 Jahre lang befand sich hier, an der Ecke zur Ilandkoppel, unsere Geschäftsstelle. Seit 2024 liegt unser Hauptsitz im Rübenkamp 240, nur wenige Gehminuten entfernt von der Wohnanlage, der wir uns in diesem Text widmen möchten: Unserer Wohnanlage Fuhlsbüttler Straße.
Die Wohnanlage mit der Hausnummer 541 besteht aus einem Gebäude mit 17 Wohnungen und einer Gewerbefläche. Mit ihrem Baujahr 2008 ist sie deutlich jünger als die umliegenden Gebäude. Das Gebäude liegt inmitten eines grünen Innenhofs in zweiter Reihe hinter den viergeschossigen Wohnhäusern an der Fuhlsbüttler Straße 539, 543 und 545. Diese Gebäude gehören ebenfalls zu unserer Genossenschaft.
Dass wir im Stadtteil Ohlsdorf heute unseren größten zusammenhängenden Wohnungsbestand haben, geht auf die 1950er Jahre zurück. Nachdem wir unsere im Krieg zerstörten und beschädigten Wohnanlagen wiederaufgebaut hatten, widmeten wir uns verstärkt dem Neubau. In Ohlsdorf erwarben wir Baugrundstücke, auf denen wir zahlreiche Neubauvorhaben realisieren konnten. Bereits 1952 war die erste Wohnanlage bezugsfertig, im Laufe des Jahrzehnts folgten mehr als 900 Wohnungen. Knapp 55 Jahre später begannen wir mit der schrittweisen Erneuerung dieses Bestands.
Wohnkomfort weit außerhalb
Für viele Hamburgerinnen und Hamburger kam ein Umzug nach Ohlsdorf damals einer kleinen Weltreise gleich. In einem Bericht zum 50. Jubiläum der Wohnanlage Rübenkamp erläuterte ein Mitglied, dass der Komfort der neu gebauten Wohnungen ausschlaggebend dafür gewesen sei, „buten Barmbek“ zu ziehen, also in das äußerste Randgebiet der Stadt, noch jenseits von Barmbek. Heute mag diese Einschätzung übertrieben erscheinen, doch in den 1950er Jahren endete die Stadt tatsächlich gefühlt hinter dem Bahnhof Ohlsdorf. Hier wendete die Straßenbahn und fuhr entlang der Fuhlsbüttler Straße zurück in die Stadt.
Unsere Mitglieder lebten damals zwar „ab vom Schuss“ – oder eben buten Barmbek – aber schnell öffneten rund um das Gebiet zwischen Fuhlsbüttler Straße und Rübenkamp immer mehr Geschäfte und versorgten die Bewohnerinnen und Bewohner mit allem, was sie brauchten. So etwa eine Filiale der Hamburger Konsumgenossenschaft „Produktion“, die wir später in den 1970er Jahren, in barrierefreie Wohnungen für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer umbauten. Auch das Freizeitangebot wuchs, als Mitte der 1950er Jahre ein Kino genau in dem Hinterhof eröffnete, in dem wir 2008 unser Wohnhaus errichteten.
Die Blende – vom Lichtspielhaus zum Einzelhandelsgeschäft
Im Jahr 1954 eröffnete das Kino „Die Blende“ im Hinterhof der Fuhlsbüttler Straße. Mit 525 Plätzen bot es nicht nur den Ohlsdorfer Cineastinnen und Cineasten Raum für Filmgenuss. Hugo Henk betrieb das Lichtspielhaus bis 1968. Nachdem das Kino schließen musste, ließen wir die Räumlichkeiten auf Wunsch unseres Mieters Hermann Greiffenberg umbauen. Dieser betrieb zum damaligen Zeitpunkt in der Fuhlsbüttler Straße 543 eine Radiohandlung und plante, sein Geschäft mit den ehemaligen Kinoräumen zusammenzulegen. In diesem Zuge ordneten wir die Ladenflächen neu an: Die Drogerie auf der linken Seite und die Radiohandlung auf der rechten tauschten ihre Standorte. Auch Herr Reher, der Betreiber der Drogerie, erklärte sich mit dem Tausch einverstanden und wir konnten mit dem Umbau starten. Nach dem Umbau diente die frühere Eingangshalle des Kinos fortan als Eingang und Ausstellungsfenster. Im Kinosaal zogen wir eine Zwischendecke ein, sodass zwei Geschosse entstanden, die als Verkaufsräume, Werkstatt, Aufenthaltsraum und Lager genutzt wurden.
Gesamterneuerung Rübenkamp
Anfang der 2000er Jahre begannen wir damit unsere Wohnanlagen Rübenkamp umfassend zu modernisieren und neu zu gestalten. Zunächst rissen wir das ehemalige Kinogebäude ab, das zuletzt als Bürofläche genutzt worden war. Mitte 2008 konnten unsere Mitglieder in die hier im ruhigen Hinterhof neu entstandenen 17 Wohnungen einziehen. Diese Neubaumaßnahme war nur der erste Schritt einer langfristigen Quartiersentwicklung. In den vergangenen 20 Jahren stellten wir auf dem über 45.000 Quadratmeter großen Areal bisher sieben Bauabschnitte fertig. Im Herbst 2025 begannen wir mit den Arbeiten am achten Bauabschnitt im Carpserweg, Zwanckweg und Böckelweg, wo weitere 95 Wohnungen entstehen sollen. Was einst als „buten Barmbek“ galt, ist heute eine gefragte Wohnanlage: familienfreundlich, generationenübergreifend und energetisch modernisiert. Ein lebendiges Quartier mit hoher Lebensqualität für unsere Mitglieder.