Der Unternehmenssitz der Allgemeine Deutsche Schiffszimmerer-Genossenschaft eG Foto: sumesgutner

Hamburgs Genossenschaften erweisen sich einmal mehr als sicherer Hafen in rauer See

Die Angebotsmieten in Hamburg sind im Verlauf des ersten Halbjahres 2026 erneut deutlich gestiegen. Der Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vom 20. Juli dieses Jahres weist für die Hansestadt im zweiten Quartal einen Anstieg der Angebotsmieten von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Nur in Köln legten sie noch deutlicher zu.

Gleichzeitig brach das Angebot an verfügbaren Wohnungen geradezu ein. Im Vergleich zum Anfang des Jahres 2022 ging die Zahl der inserierten Mietwohnungen in Hamburg um zuletzt rund 57 Prozent zurück. Grund hierfür sei nach Einschätzung des IW der lahmende Wohnungsneubau wie auch eine geringe Umzugsmobilität. Mieter, die bereits länger und damit zu vergleichsweise günstigen Konditionen in einer Wohnung lebten, seien kaum noch bereit, umzuziehen. Neben der Miethöhe werde die geringe Fluktuation zunehmend zu einem strukturellen Problem des Hamburger Mietwohnungsmarktes.

Völlig anders entwickeln sich die Mieten dagegen bei Hamburgs Genossenschaften und dem kommunalen Wohnungsunternehmen SAGA. Wie deren Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen (VNW) in Hamburg bereits Mitte Juli 2026 mitteilte, beträgt die durchschnittliche Nettokaltmiete seiner Hamburger Mitgliedsunternehmen 7,69 Euro pro Quadratmeter und ist binnen eines Jahres lediglich um 1,05 Prozent gestiegen. Gemeinsam repräsentieren die angeschlossenen Genossenschaften und die halbstaatliche SAGA rund 41 Prozent der Hamburger Mietwohnungen. 

Allerdings werden diese beiden Vermietergruppen gegen den Wohnungsmangel vermutlich weniger unternehmen können als ursprünglich geplant. Denn spätestens seit dem Votum des Hamburger Klimaentscheids verschiebt sich deren Investitionsschwerpunkt deutlich: Für den Bestand sind 2026 rund 478 Millionen Euro vorgesehen, nach gut 397 Millionen Euro im Vorjahr. Auf Neubauinvestitionen sollen dagegen etwa 440 Millionen Euro entfallen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang um knapp 80 Millionen Euro. 

Der Verband VNW fordert deshalb nach dem „Hamburg-Standard“ für den Bereich Neubau nun auch einen kostensenkenden „Hamburg-Standard für die Sanierung“. In dieser Forderung kommt auch der zentrale Zielkonflikt zum Ausdruck, der in den kommenden Jahren noch deutlich an Bedeutung gewinnen wird: Investitionen für einen verbesserten Klimaschutz und den Erhalt von Bestandsgebäuden werden verstärkt Kapazitäten erfordern, die dann beispielsweise für den Neubau fehlen.