Axel Gedaschko: „Deutschland braucht keinen Aufschwung auf dem Papier, sondern einen Aufschwung auf den Baustellen. Mit Wohnungen, die am Ende auch bezahlbar sind“ Foto: Ritter Consult
Baugenehmigungen von Wohnungen legen zu – Fertigstellungen bleiben weit hinter dem Bedarf zurück
„Das Plus bei den Baugenehmigungen ist ein positives Zeichen. Dennoch ist bislang keine echte Trendwende beim Wohnungsbau abzuleiten. Die Zahlen steigen von einem historisch niedrigen Ausgangsniveau. Zudem ist eine genehmigte Wohnung noch lange keine gebaute Wohnung und erst recht noch keine Wohnung, die sich breite Teile der Bevölkerung leisten können“, kommentiert Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW in Berlin.
Die Entwicklung im Wohnungsbau bleibe insgesamt dennoch weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. In Deutschland werden jährlich rund 320.000 neue Wohnungen benötigt, darunter 100.000 Sozialwohnungen. Für 2026 seien aber bundesweit nur noch rund 200.000 Fertigstellungen neuer Wohnungen zu erwarten. Bei den sozial orientierten GdW-Unternehmen sinken die Neubauinvestitionen Verbandsangaben zufolge aufgrund der anhaltend sehr schwierigen Bedingungen in diesem Jahr voraussichtlich um rund 26 Prozent.
Die Lücke zwischen Genehmigungsstatistik und tatsächlicher Bautätigkeit zeige demnach das Kernproblem. Viele Projekte seien zwar genehmigt, könnten unter den aktuellen Bedingungen aber nicht wirtschaftlich umgesetzt werden. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, überzogene Standards, komplizierte Vorgaben und fehlende Planungssicherheit machten nach der Einschätzung der Verbandsvertreter aus dringend benötigten Wohnungen Schubladenprojekte.
Damit aus dem positiven Genehmigungstrend tatsächlich mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht, müssten drei Forderungen des GdW erfüllt werden:
1. Baukosten senken: Der Gebäudetyp E muss schnell bundesweit rechtssicher im Werksvertrags- und Mietrecht verankert werden. Notwendig sind ein praxistauglicher Gebäude-Basisstandard nach dem Prinzip „E wie einfach“, die Begrenzung kostentreibender Normen sowie ein kräftiger Schub für serielles und modulares Bauen.
2. Förderung dauerhaft verlässlich gestalten: Die EH55-Plus-Förderung muss über das Jahresende hinaus verstetigt und ausreichend ausgestattet werden. Insgesamt braucht es eine langfristig planbare Förderkulisse für den sozialen Wohnungsbau, das bezahlbare mittlere Preissegment und steuerliche Investitionsanreize. Entscheidend sind Finanzierungskonditionen, mit denen dauerhaft bezahlbare Mieten wirtschaftlich möglich bleiben.
3. Eine echte „Fast Lane“ für den Wohnungsbau schaffen: Der Vorrang für bezahlbaren Wohnungsbau muss in Planungs- und Genehmigungsverfahren praktisch wirksam werden. Verfahren müssten konsequent vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt sowie Nachverdichtung, Aufstockung und Baulandmobilisierung erleichtert werden.