Unsere Quartiere im Wandel
Wohnen im grünen Hamburger Osten
Die meisten Hamburgerinnen und Hamburger kennen den grünen Stadtteil Lohbrügge an der Grenze zu Bergedorf vor allem durch seine weitläufige Dünenlandschaft, die Boberger Dünen. Weniger bekannt wird hingegen sein, dass hier in den 1960er Jahren mit dem Wohngebiet Lohbrügge-Nord eine der ersten Großwohnsiedlungen Hamburgs entstand. Auch wir beteiligten uns an diesem Wohnungsbauvorhaben mit Miet- und Eigentumswohnungen.
Nachdem die Stadtplanung im beginnenden 20. Jahrhundert zunächst vor allem die Verbesserung der Lebensbedingung großer Teile der Bevölkerung im Blick hatte, stand in den späten 1940er und den 1950er Jahren die Versorgung von im Zweiten Weltkrieg wohnungslos gewordenen Menschen im Mittelpunkt. Einige Jahre später, mitten im sogenannten Wirtschaftswunder der 1960er Jahre, entstanden unter der Überschrift Urbanität durch Dichte auch in Hamburg mehrere Großwohnsiedlungen. Bebaut wurden hierfür häufig die Stadtrandgebiete, wie auch am nördlichen Rand Lohbrügges, wo das Wohngebiet den pragmatischen Namen Lohbrügge-Nord erhielt. Bereits ab 1959 wurde die Großwohnsiedlung geplant. Noch im selben Jahr stiegen wir in die Planung ein und bauten mehrere Häuser im Harnackring, im Röpraredder sowie in der Schärstraße und der Häußlerstraße, die in den Jahren 1965 bis 1967 bezugsfertig waren. Insgesamt entstanden hier 346 Wohnungen in 46 Hauseingängen. Unsere Wohnanlage Lohbrügge umfasst heute zudem 170 Garagen sowie 25 Stellplätze im Freien.
Ein Bauabschnitt „reich an Überraschungen, Arbeit und Sorge“
Für die Planung der Siedlung schlossen sich mehrere Bauträger unter der Führung der „Neuen Heimat“ zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, die in mehreren Abschnitten bauen wollte. Wir waren an diesem Neubauprojekt mit etwa fünf Prozent beteiligt und planten sowohl Wohnungen in Mehrfamilienhäusern für unsere Mitglieder sowie Eigentumswohnungen in Doppel- und Reihenhäusern, die für den Verkauf bestimmt waren. Dabei galt es, gleich mehrere Hürden zu umschiffen: Vorkommen des sogenannten „Lauenburger Tons“, eine Masse, die sich während der Elster-Eiszeit vor rund 400.000 bis 320.000 Jahren bildete und durch Stauchungen in späteren Kaltzeiten an die Oberfläche gedrückt wurde, trat auf unserem Baugrundstück an mehreren Stellen wenige Meter unter der Erdoberfläche auf. Da diese Tonart in besonders starkem Maße Wasser aufnimmt, waren die Untergrundverhältnisse ungeeignet für die von uns ursprünglich geplante Bebauung. Wir waren gezwungen, zusätzliche Bohrungen vorzunehmen, um festzustellen, welche Alternative möglich war und konnten das Grundstück schlussendlich nur mit einer geringeren Ausnutzung als geplant bebauen. In kostspieligen und zeitraubenden Bodenersatzverfahren ließen wir rund 3.000 Kubikmeter Ton ausheben und ersetzten ihn durch festzustampfenden Kiessand.
Die von uns vorgesehene achtgeschossige Häuserzeile im Westen unseres Grundstücks konnte aufgrund fehlender Standsicherheit nicht gebaut werden, sodass die von uns errichteten Häuser geringere Geschosszahlen erhielten. Das Ergebnis beschrieb unser damaliger Vorstand im Geschäftsbericht für das Jahr 1964 mit folgenden Worten: „Mit dem Bauabschnitt in Lohbrügge, der so reich an Überraschungen, Arbeit und Sorge war, dürfte jetzt trotz der Umplanung eine gute städtebauliche Lösung erzielt werden.“ Trotz aller unvorhersehbaren Widrigkeiten konnten 1965 die ersten 154 Wohnungen bezogen werden. Weitere 144 Wohnungen waren im Jahr 1966 bezugsfertig, womit unser Bauabschnitt Lohbrügge I mit insgesamt 298 Wohnungen abgeschlossen war. Den zweiten Bauabschnitt im Röpraredder mit weiteren 48 Wohnungen konnten wir noch im selben Jahr beginnen und 1967 fertigstellen.
Tierfreundliche Modernisierung
Wenige Jahre vor dem 50-jährigen Jubiläum unserer Wohnanlage Lohbrügge standen energetische Modernisierungen an. In fünf Abschnitten tauschten wir in den Jahren 2012 bis 2016 nicht nur Fenster aus, sondern dämmten auch die Außenfassaden. Um die Geschlossenheit des kleinen gartenstadtartigen Quartiers aus Backsteinbauten zu erhalten, statteten wir die Fassaden im Zuge der Modernisierung mit Klinkerriemchen aus natürlichem Material aus. Eine Besonderheit, die wir im Rahmen der Modernisierung ebenfalls angingen: Die Errichtung von Fledermausherbergen, für die wir sogar vom NABU ausgezeichnet wurden. Wildvögel und auch Fledermäuse sind im Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Wir beauftragten daher vor der Fassadeninstandsetzung einen Sachverständigen, der feststellte, dass es in unseren Gebäuden in Lohbrügge Fledermausquartiere gab. Mithilfe von Fledermausdetektoren, die die Ultraschallrufe der nachtaktiven Tiere für das menschliche Ohr hörbar werden lassen, sowie von Nachtsichtgeräten ließen sich die Quartiere ausfindig machen. Um den Lebensraum der Fledermäuse nicht zu zerstören, boten wir den Tieren mit unserer Herberge einen neuen Unterschlupf.
Wohnen in Lohbrügge – grün und aktiv
In Lohbrügge wohnen unsere Mitglieder heute nicht nur im Grünen, sondern auch in aktiver Gemeinschaft. Bis heute zeichnet die Wohnanlage das gemeinschaftliche Miteinander der Bewohnerinnen und Bewohner aus. Der Gemeinschaftsraum im Harnackring 80 wird rege genutzt für Bewegungsangebote, angeleitete Yoga-Stunden oder auch einfach zum Kaffeetrinken und Klönen. An jedem zweiten und vierten Dienstag im Monat lädt außerdem der Schiffszimmerer-Treff zum gemeinsamen Frühstück und Gesellschaftsspiele spielen ein.
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