Unsere Quartiere im Wandel

Gerstäckerstraße: Neubau im Jubiläumsjahr – genossenschaftliche Geschichte zwischen Michel und Hafen

Zwischen Altstadt und St. Pauli, Planten un Blomen und dem Hafen liegt die Hamburger Neustadt. Der bunte und abwechslungsreiche Stadtteil steht nicht nur auf der „Must-See-Liste“ der meisten Touristinnen und Touristen, sondern ist auch bei den Hamburgerinnen und Hamburgern aufgrund seiner kulturellen Vielfalt beliebt. Die Geschichte unserer Genossenschaft ist ebenfalls eng mit der Neustadt verbunden, immerhin entstand hier Im Jahr 1900 der erste Neubau für unsere Mitglieder. Heute befinden sich in diesem Stadtteil insgesamt acht unserer Wohnanlagen in unmittelbarer Hafennähe. In diesem Portrait stellen wir Ihnen die Wohnanlage Gerstäckerstraße vor.

„Wir freuen uns sehr, im Geburtsstadtteil unserer Genossenschaft im 100. Lebensjahr eine so stattliche Wohnanlage in Arbeit zu haben. Nach unserer Planung werden die ersten Wohnungen bis zum Jubiläumstag der Genossenschaft im November 1975 bezugsfertig sein können.“ Mit diesen Worten berichteten wir im Geschäftsbericht für das Jahr 1974 über die im Dezember begonnene Neubautätigkeit in der Neustadt. Konkret handelte es sich um die Wohnanlage Gerstäckerstraße – die tatsächlich gar nicht an der Gestäckerstraße, sondern zwischen Zeughausstraße 1–3, Zeughausmarkt 27, 28, 29, 30 und 31 und Rothesoodstraße 2–8 entstand. Die Durchführung dieser Baumaßnahme hatte viel überlegte Planung erfordert, da die Baustelle durch die Lage in der Innenstadt schwierig zu bedienen war. Trotz der besonderen Umstände konnten wir im Großen und Ganzen termingerecht arbeiten, auch wenn der prognostizierte Bezugstermin nicht ganz zu halten war. Die ersten 15 Wohnungen konnten im Dezember 1975 an unsere Mitglieder übergeben werden, für die übrigen 129 erfolgte die Schlüsselübergabe im Laufe des Frühjahrs 1976.

Rückkehr an den Ursprung im 100. Jubiläumsjahr

Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert hatte sich unsere Genossenschaft besonders in St. Pauli und in der Hamburger Neustadt darum bemüht, Wohnraum für ihre Mitglieder zu schaffen. Als wir in den 1970er Jahren unsere Wohnanlage Gerstäckerstraße planten, hatte dies also auch symbolische Bedeutung. Im 100. Jahr unseres Bestehens kehrten wir gewissermaßen an den Ort unseres Ursprungs zurück. Auch die von der Hamburger Bildhauerin Maria Pirwitz geschaffene Emaille-Arbeit auf einer der Fassaden unserer Wohnanlage fasst diese Bedeutung symbolisch auf: Der bunte Lebensbaum steht sinnbildlich für Wachstum, Gemeinschaft und Verwurzelung. Werte, die unsere Genossenschaft auch im 151. Jahr ihres Bestehens weiter prägen. 

Nachverdichtung auf dem Dach im Jahr 2006

Mitte der 1990er verfolgten wir Pläne, unsere Wohnanlage durch 80 weitere Wohnungen zwischen der Gerstäckerstraße und der Ludwig-Erhard-Straße zu ergänzen. Die bauliche Lösung, die seitens Verwaltung, Politik und Architekten angestrebt wurde, deckte sich jedoch nicht mit den unsrigen. Da wir unseren Mitgliedern keine Rückschritte im Wohnstandard anbieten wollten, mussten wir uns aus dem Bauvorhaben wieder zurückziehen. 

Heute umfasst unsere Wohnanlage Gerstäckerstraße weiterhin elf Hauseingänge, jedoch mit mittlerweile 145 Wohnungen – also einer mehr, als zum Zeitpunkt ihres Entstehens. Das hängt nicht etwa damit zusammen, dass wir Grundrissverkleinerungen vorgenommen hätten, sondern mit dem Bau einer zusätzlichen und durchaus reizvollen Wohnung, die 2006 auf dem Dach unserer Wohnanlage entstand. Nachdem die Gebäude an das neue Fernwärmenetz angeschlossen worden waren, wurde die bis dahin auf dem Dach ansässige Gas-Heizzentrale nicht mehr benötigt und es konnte dort weiterer Wohnraum entstehen.

Lebendige Nachbarschaft in der Neustadt

Neben den Wohnungen sorgen Gemeinschaftseinrichtungen wie der Party- und Gemeinschaftsraum in der Rothesoodstraße und ein Jugendraum in der Zeughausstraße für Orte des Zusammenkommens und der Nachbarschaftspflege. Auch die Modernisierung der Gartenanlage, die wir in diesem Jahr in Angriff nehmen werden, wird ihren Teil zur Gemeinschaftspflege beitragen. Wie lebendig die Nachbarschaft weiterhin ist, zeigt ein Blick in die jüngst vergangenen Jahre sowie auf zukünftige Planungen: Kinderspieltage und Hoffeste brachten und bringen die Menschen in der Neustadt zusammen. Im Juni findet unser Venusberg-Flohmarkt in unmittelbarer Nachbarschaft statt und im Oktober laden wir zum traditionellen Laternenumzug durch die Neustadt ein. Der Gemeinschaftsraum wird regelmäßig für das Angebot „Gymnastik im Sitzen“ genutzt. Ein Bewegungsangebot, das sich an Menschen richtet, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind oder generell Bewegungseinschränkungen haben. Auch hier setzt sich eine Tradition fort: Schon beim Bau unserer Wohnanlage planten wir vier barrierefreie Wohnungen für Menschen im Rollstuhl sowie weitere 29 Wohnungen für ältere Menschen. Damit setzten wir schon damals ein Zeichen für gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnen – Aspekte, die wir bis heute verfolgen.

Quartiere im Wandel

Unsere Wohnanlagen im Quartier Gerstäckerstraße